Prof. Dr. Claus Tiedemann

Universität Hamburg
Fachbereich (ehem.) Sportwissenschaft
seit 2005: Fb. "Bewegungswissenschaft"
jetzt: Inst. f. "Bewegungswissenschaft"

Prof. Dr. Claus Tiedemann, 2017
altes Siegel der Universität Hamburg

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Tipps für die Anfertigung schriftlicher Hausarbeiten

(für die TeilnehmerInnen meiner Lehrveranstaltungen)
letzte Überarbeitung: 27. Februar 2017
3 Vorbemerkungen:

1.) Zum Erarbeiten und Vortragen von Referaten habe ich ebenfalls Tipps veröffentlicht. Da das mündliche Vortragen und das schriftliche Ausarbeiten zwei eng miteinander verbundene Phasen eines Prozesses sind, empfehle ich das Studium auch dieser Tipps (URL: http://www.sportwissenschaft.uni-hamburg.de/tiedemann/documents/tippsreferate.html; bzw. .../TippsReferate.pdf).

2.) Seit Frühjahr 2003 hat das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) in Köln seine Datenbanken online und kostenlos recherchierbar gemacht. Unter der Internet-Adresse http://www.bisp-datenbanken.de/ sind u.a. von der sportwissenschaftlichen Literatur-Datenbank SPOLIT die Einträge frei recherchierbar. Damit haben alle Interessierten (und nicht mehr nur solche mit Anschluss an das Campusnetz der Universität Hamburg) eine sehr wertvolle Hilfe bei der Suche nach sportwissenschaftlicher Literatur; nutzen Sie sie! Eine Anleitung zur Nutzung von SPOLIT hat Frederik Borkenhagen in den dvs-Informationen 10 (1995), Heft 2, S. 23 - 27 geschrieben (PDF-File, 81 KB).
Auf die schon länger bestehenden online-Recherche-Möglichkeiten in den eher trainingswissenschaftlich ausgerichteten Datenbanken "sponet" (URL = http://www.sponet.de) und "SPOWIS" (URL = http://www.iat.uni-leipzig.de/iat/ids/SPOWIS/startseite.htm) des Leipziger Instituts für angewandte Trainingswissenschaft (IAT) möchte ich der Vollständigkeit halber hier auch verweisen.
Sehr lesenswert ist der Beitrag Jürgen SCHIFFERs zur Einschätzung des Werts unterschiedlicher sportwissenschaftlicher (online-) Bibliographien: SCHIFFER, Jürgen: Fachbibliografien als Mehrwert-Informationsdienste der Sportwissenschaft - u.a. am Beispiel einer Bibliografie zum Marathonlauf. In: dvs-Informationen, Hamburg, 18 (2003), Heft 1, S. 29 - 34.

3.) Seit geraumer Zeit habe ich mündlich (und auch per Internet) die Diskussion darüber angeregt, was denn der Gegenstand der Sportwissenschaft ist. Wenn Sie mir Referate in bzw. Hausarbeiten zu meinen Lehrveranstaltungen präsentieren, erwarte ich, dass Sie über meine Begriffe von "Sport" und "Bewegungskultur" informiert sind. Sie müssen - wie in allen anderen Bereichen auch - meine Auffassung nicht teilen, aber Sie sollten sich in jedem Fall eine begründete eigene Meinung dazu erarbeiten und sie auch in Ihrem mündlichen Referat sowie Ihrer schriftlichen Ausarbeitung vertreten. Meine Meinung zu weiteren zentralen Begriffen der Kultur- und Sportwissenschaft (wie "Aggression", "Gewalt", "Frieden", "Olympismus", "Spiel", "Kunst" ...) ist im Internet nachlesbar (vgl. die aktelle Liste meiner Veröffentlichungen: http://www.sportwissenschaft.uni-hamburg.de/tiedemann/documents/index.html).

Nachdem jeweils zu Beginn meiner Lehrveranstaltungen Referatsthemen besprochen und mit Termin für die Präsentation vergeben sind, die (manchmal kurze) Zeit der Material- bzw. Literatursuche und Aufbereitung genutzt worden ist, die Referate schriftlich vorbereitet und mündlich vorgetragen worden sind - zu alledem habe ich auch "Tipps für das Erarbeiten von Referaten und ihren Vortrag" veröffentlicht -, bleibt die letzte Phase der Übungsgelegenheiten, die schriftliche End-Fassung. Hier sollten auch die Ergänzungen eingebracht werden, die Sie während des Referats und aufgrund der Rückmeldungen danach noch für sinnvoll erachtet haben.

Grundsätzlich ist das Verfassen solcher schriftlichen Hausarbeiten - abgesehen von ihrer Funktion als Erfüllung einer "Schein"-Anforderung - eine bedeutende Lern-Gelegenheit. Deshalb rate ich Ihnen, sich hierfür Zeit zu nehmen und kein "Produkt" abzugeben, mit dem Sie nicht selbst wirklich zufrieden sind. Üben Sie, Ihren eigenen Texten gegenüber kritisch zu sein; mehrere Fassungen herzustellen (und damit alte zu verwerfen), ist normal und meistens nützlich, sogar notwendig. Das bedeutet anstrengende, in ihrer emotionalen Qualität nicht zu unterschätzende Arbeit! (Wer lässt sich schon gern von anderen kritisieren? Und wer "ermordet" schon gern "seine eigenen (geistigen) Kinder"?) Wenn Sie sich aber auf diese Anstrengung einlassen, werden Sie zum Schluss mit Ihrer Arbeit zufriedener sein als gleich nach dem ersten Entwurf.

Alle Hausarbeiten sind aber natürlich auch unter ökonomischen Gesichtspunkten zu verfassen: spätestens zum angegebenen Termin müssen sie "fertig" sein. Natürlich könnte man mit mehr Zeit noch die eine oder andere offen gebliebene Frage genauer klären; aber Sie sollten auch lernen, Ihre Arbeitszeit einzuteilen und sich mit grundsätzlich nicht perfekten Ergebnissen zu begnügen. Wenn Sie zum Schluss Ihrer Arbeit die gebliebenen Lücken formulieren, ist es für mich hinreichend perfekt.

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Zum Umfang der schriftlichen Ausarbeitung: Es gibt (für mich) keine Richtzahl von Seiten, vor allem keine Mindestzahl. Es gilt die schöne "Schere": so ausführlich wie nötig, so knapp wie möglich! Die Hausarbeit sollte alle wichtigen Informationen zum Thema enthalten, keine wichtige Erörterung übergehen, dabei aber nicht ausschweifend werden. Das Problem ist natürlich, zwischen wichtig und unwichtig in allen konkreten Fällen zu unterscheiden.

Selbstverständlich müssen Sie alle wichtigen Angaben, zumal Behauptungen, mit einer eindeutig zur Fundstelle weisenden (Literatur-) Angabe belegen. Einen gewissen Standard an Allgemeinwissen können Sie dabei getrost voraussetzen; Sie müssen also nicht grundsätzlich hinter jedem Satz eine Anmerkung mit Literaturverweis platzieren. Sie müssen aber die für Ihre Argumentation wichtigen - von anderen übernommenen - Informationen und Gedanken belegen. Sparsame Verwendung von Anmerkungen ist prinzipiell lobenswert. Bei mir brauchen Sie nicht zu versuchen, mit möglichst vielen Anmerkungen einen "gelehrten" Eindruck zu erwecken. Auch hier gilt die o.a. Schere: so viel wie nötig, so wenig wie möglich.


Bitte schreiben Sie gutes Deutsch und bemühen Sie sich in aller Kürze um Einfachheit und Klarheit im Ausdruck! Insbesondere schreiben Sie bitte ganze, grammatikalisch vollständige Sätze! Beim Referieren fremder Erkenntnisse benutzen Sie bitte die korrekten Formen der indirekten Rede mit den nötigen Konjunktiven! Weichen Sie nicht auf Aufzählungen aus ("SPIEGEL-Strich-Wüsten"), wie sie von "Powerpoint" und ähnlichen Präsentations-Programmen nahegelegt werden! Und achten Sie bitte auf korrekte Zeichensetzung! Bedenken Sie auch, wie Sie auf Ihre LeserInnen wirken, wenn Sie ausufernd Fremdwörter gebrauchen, für die es deutsche Wörter mit gleicher Bedeutung und Trennschärfe gibt. Dies alles gilt schon für die Formulierung Ihres Vortrags, erst recht aber für eine schriftliche Fassung - auch wenn ich möglicherweise der einzige Leser Ihres Textes bin. Becker und Schneider empfehle ich als gute Ratgeber fürs Sprachliche (siehe Literatur unten). Ich versuche übrigens, meinen eigenen Sprachstil an der Vorstellung zu prüfen, ich spräche zu einer blinden Person; und so versuche ich auch zu schreiben.

Zum Argumentieren: arguere ist lateinisch und heißt streiten; Argumente sind (wörtlich übersetzt) Streitmittel. Wissenschaft besteht im (streitigen) Austausch von Informationen und Meinungen (= Argumenten). Sie, Kommilitonen (noch ein lateinisches Wort, das sehr gut passt; es heißt "Mit-Streiter" oder "Mit-Kämpfende"; "miles" heißt wörtlich "Soldat"), sind bei der Anfertigung einer ersten, kleinen wissenschaftlichen Arbeit in diesem Sinne streitende Personen. Streiten, wie ich es verstehe, zielt nicht aufs Recht-Haben, sondern aufs Klären (und Beurteilen) verschiedener Meinungen. Ihre Meinung zum Thema - streitig und bestreitbar - darzustellen, ist das Ziel der schriftlichen Hausarbeit (wie prinzipiell auch schon des mündlichen Vortrags). Wenn Sie also Ihre Auffassung vortragen oder schriftlich formulieren, reden Sie von sich selbst! Mit der "ich"-Form machen Sie deutlich, dass Sie die persönliche Verantwortung für den präsentierten Text übernehmen. Bitte "verstecken" Sie sich nicht hinter verallgemeinernden ("man") Subjekten oder passivischen Konstruktionen ("wird betrachtet" o.ä.)! Wenn Ihnen in anderen Bereichen das sprachliche Verbergen der nicht hintergehbaren Subjektivität empfohlen wird, fragen Sie sich und die Empfehlenden nach den Gründen!


Jede "eigene" Meinung entsteht aus einem mehr oder weniger langen Prozess der Auseinandersetzung mit bzw. der An-Eignung (!) von "fremden" Meinungen. Wissenschaftlichkeit besteht vor allem darin, diesen Prozess der Auseinandersetzung und Aneignung für andere nachvollziehbar zu halten und ihn bzw. das Ergebnis auch so darzustellen. Ihre eigene Meinung - selbstverständlich gut begründet und belegt - ist das Ziel Ihrer Darstellung, schon im mündlichen Vortrag und ebenso in Ihrer schriftlichen Ausarbeitung.

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Zum Zitieren gibt es viel, auch widersprüchliche Literatur. Die wichtigste Regel ist und bleibt die Forderung: Die Angaben müssen eindeutig zur Quelle der Information oder des Zitats führen. Sie können selbst herausfinden, was dafür absolut unverzichtbar ist. Wie die notwendigen Angaben angeordnet werden, ist Übereinkunft, Konvention. Ich gebe und nehme gern etwas ausführlichere Informationen, z.B. ausgeschriebene Vornamen, vollständige Untertitel, Verlagsangabe, Seitenangaben von Anfang bis Ende usw. Auch in diesem Gebiet hilft gründliches Nachdenken über den Sinn dessen, was wir tun (sollen, müssen). Wenn Sie sich - aus guten Gründen - für eine Konvention entschieden haben, behalten Sie sie konsequent bei.
Die "dvs" (Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft) hat beispielsweise "Richtlinien zur Manuskriptgestaltung in der Sportwissenschaft" herausgegeben (Stand: 21. 03. 2002), die eine brauchbare Konvention darstellen (PDF-Datei, 10 Seiten, 173 KB). Es gibt auch andere vernünftige Konventionen; wenn jemand aus einer bestimmten Konvention ein Dogma macht, ist skeptisches Nachfragen sinnvoll.

Illustrationen, Abbildungen usw. im Text sind nicht Selbstzweck, schon gar nicht "Füll-Material", um Seiten zu "schinden" und die sprachliche Darstellung zu vermeiden. Treffen Sie eine gut begründete (zumindest begründbare) Auswahl aus dem (meist zahlreichen) Material, das Sie gefunden haben. Die sprachliche Darstellung ist für mich viel wichtiger als jede noch so nett anzuschauende Illustration.


Informationen im Internet sind prinzipiell genauso zu verwenden wie im Buchdruck vorliegende Informationen. Hier wie dort müssen Sie beurteilen, ob die Information seriös ist. Wenn die Internet-Veröffentlichung wissenschaftlichen Ansprüchen genügt (insb. Verfasser- und vollständige Quellenangaben), ist sie seriös und kann mit Verfasserangabe, genauer Adresse (URL) und mit Angabe des Zeitpunkts des (letzten) Zugriffs verwendet werden - als Ausdruck oder screenshot. Grundsätzlich empfehle ich Vorsicht bei der Verwendung dieser Art Information; als Einstieg in gedruckte Medien taugt sie meistens.


Zum Inhalt der vorzulegenden Hausarbeit: Abgesehen von Rahmen-Informationen auf dem Deckblatt (zum Datum, Seminartitel, Thema und zu Ihnen selbst mit Tel.- Nr., Post-Adresse bzw. E-Mail-Adresse und evtl. weiteren Angaben) erwarte ich ein Inhaltsverzeichnis bzw. eine Gliederung vorneweg, die wohlgeordnete Quellen- und Literaturliste zum Schluss und dazwischen Ausführungen zu folgenden Punkten: Stand der Forschung zum Thema; die Haupt-Fragen, die geklärt werden sollen; die Ergebnisse Ihrer Klärungsversuche; dazu evtl. offengebliebene bzw. neue Fragen, die klärenswert sind, mit einem hypothetischen Klärungsansatz.


Zu meinem "Anspruch": Diese Hausarbeiten als Ausarbeitungen von Referaten für ein Seminar sollen keine Doktorarbeiten sein, weder vom Tiefgang noch vom Umfang her. Sie sollen allerdings prinzipiell genauso gearbeitet sein. Dann können Sie an ihnen lernen für den späteren "Ernstfall" Diplom-, Staatsexamens- oder sonstige Abschluss-Arbeit. Diese Lern-Gelegenheit ist - neben der Funktion als "Schein"-Kriterium - die wichtigste Begründung dafür, dass ich solche Arbeit(en) "fordere". Da ich weiß, dass Eile und Hektik zu Flüchtigkeit führen (können), und da Flüchtigkeit den Lernerfolg solcher Hausarbeiten stark gefährdet, setze ich als letzten Abgabetermin das Ende des Semesters (nicht der Vorlesungszeit!). Nutzen Sie die Zeit!


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Literatur:
  • BECKER, Howard S.: Die Kunst des professionellen Schreibens. Ein Leitfaden für die Geistes- und Sozialwissenschaften. Übs. aus d. Engl. v. H. Herkommer. Frankfurt; New York: Campus 1994 (= Campus Studium; 1085).
  • KRÄMER, Walter: Wie schreibe ich eine Seminar- oder Examensarbeit? Frankfurt, New York: Campus 1999 (= Campus concret; 47).
  • KRUSE, Otto (Hrsg.): Handbuch Studieren. Von der Einschreibung bis zum Examen. Frankfurt, New York: Campus 1998 (= campus concret; 32).
  • RÜCKRIEM, Georg; STARY, Joachim; FRANCK, Norbert: Die Technik wissenschaftlichen Arbeitens. Eine praktische Anleitung. 10., überarb. Aufl. Paderborn u.a.: Ferdinand Schöningh 1997 (UTB; 724).
  • SCHNEIDER, Wolf: Deutsch für Kenner. Die neue Stilkunde. München; Zürich: Piper 1996 (= Serie Piper; 2216).
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